Das Rebjahr 2009

Witterungs- und Vegetationsverlauf

Schneereicher Winter, trocken im April und Mai
Am 29./30. Oktober 2008 schneite es erstmals bis in die Niederungen. Die frühen Schneefälle verursachten Schäden in den Rebbergen, die zu diesem Zeitpunkt noch mit Rebnetzen abgedeckt waren. Infolge des Schneedrucks rissen Drähte und Pfähle knickten wie Streichhölzer, was einzelne Rebzeilen oder Anlagen zu Boden drückte.
Weitere Schneefälle am 21./22. November und zwischen dem 9. und 12. Dezember sorgten zwischendurch für Ruhe in den Rebbergen. Wir Rebbauern nutzten die schönen Tage im Dezember und Januar und schnitten unsere Reben.
Zwischen dem 9. und 24. Februar 2009 schneite es oft, die grösste Menge fiel am 17. des Monats.
Der Winter lies nicht locker, im März schneite es ab und an; am 25. März lag zum letzten Mal eine dünne Schneedecke in den Rebbergen. Zwischen dem 16. und 22. März begannen die Reben zu weinen – Binden war angesagt.
Die Niederschläge im ersten Drittel des Jahres verteilten sich wie folgt: Im Januar fielen lediglich 34 mm Regen und im Februar 69 mm. Darauf folgte ein niederschlagsreicher März mit 105 mm.

Die sonnige und warme Witterung ab 6. April sorgte dafür, dass der Löwenzahn in den Rebbergen zu blühen begann. Bereits Mitte April erreichten die Rebknospen beim Blauburgunder das Grünpunktstadium, rund 10 Tage früher als üblich. Dafür verantwortlich waren die frühlingshaften Temperaturen, die maximalen Werte lagen oft über 20° C. Der Austrieb erfolgte zu Beginn schnell und regelmässig, doch nach Mitte April verzögerte er sich wegen der Trockenheit und der etwas tieferen Temperaturen. Am 24. April lag der Tiefstwert bei 2° C, am 2. Mai schneite es bis 800 m ü.M. und am 1. und 5. Mai zeigten die Temperaturen nur 3 bis 5° C an.
Die Reben büssten einen Teil ihres Vorsprungs ein. Schuld daran waren die tiefen Temperaturen in der zweiten Aprilhälfte und anfangs Mai sowie die anhaltende Trockenheit. Die Niederschlagsmenge in den Monaten April und Mai fiel mit jeweils 35 mm bescheiden aus.
Im Mai war die Witterung nicht nur trocken, sondern warm und oft gar heiss. Erstaunlich war, wie die Rebschosse trotzdem munter weiter wuchsen – die Reben zeigten keine Anzeichen von Wassermangel. Offensichtlich war genügend Winterfeuchtigkeit vorhanden. Am 25. Mai lag die Höchsttemperatur über 30° C. Am 26. Mai fegte ein Sturm übers Land, der nicht nur Rebschosse abbrach, sondern endlich auch Regen brachte. Immerhin fielen zwischen 14 und 20 mm.


Frühe Blüten

Die Reben begannen bereits Ende Mai zu blühen – ähnlich früh wie im Jahr 2007. Die Blüte dauerte heuer infolge der teilweise ungünstigen Witterung allerdings länger.


Wechselhafter Sommer
Von anfangs Mai bis Mitte Juni gab es nur zwei Tage, an denen es „vernünftig“ regnete. In der Nacht vom 15. auf den 16. Juni fegte ein Sturm durch das Bündner Rheintal, der nicht nur an den Fensterläden rüttelte und für schlaflose Nächte sorgte, sondern auch die Rebzeilen gehörig durchlüftete. In der zweiten Junihälfte regnete es häufig, die Mengen waren bescheiden.
Der Juni zeichnete sich durch grosse Temperaturschwankungen aus. Anfangs Monat lagen die tiefsten Temperaturen bei 7° C, während das Thermometer Mitte Juni Höchstwerte von mehr als 30° C anzeigte. Dasselbe Phänomen wiederholte sich im Juli – allerdings mit anderen Vorzeichen: Mitte Juli zeigten die Wetterstationen Werte um 30° C an, am 18. Juli wiederum nur noch rund 7° C. Insgesamt war die Witterung im Juli gekennzeichnet durch Extreme, mal trocken und heiss, dann niederschlagsreich und kalt. Feuchtigkeit war nun mehr als genug vorhanden. Insgesamt fielen 182 mm Niederschlag.
Das wüchsige Wetter bescherte den Rebbauern viel Arbeit: oben abnehmen, Traubenzone auslauben und Begrünung mähen. Eine Arbeit folgte auf die nächste, es gab weder Ferien noch Verschnaufpausen. Doch daran haben sich die Rebbauern gewöhnt. Vom Austrieb der Reben bis zur Lese gaben die Reben alle Hände voll zu tun.
Die Witterung im August war selten so wüchsig, was in Anbetracht der regelmässigen Niederschläge und hohen Temperaturen nicht verwunderlich war. Die Triebe wuchsen derart stark, dass sie in einzelnen Parzellen gar vier Mal oben abgenommen werden mussten. Die Beeren und damit auch die Trauben legten enorm an Grösse zu.
Der Farbumschlag setzte nicht nur schlagartig ein, er ging auch sehr schnell vor sich. Je nach Lage verfärbten sich zwischen dem 4. und 13. August die ersten Beeren beim Blauburgunder. Die ersten vollständig verfärbten Trauben zeigten sich zwischen dem 12. und 20. August.


Herrlicher Altweibersommer und sonniger Herbst
Dank der prächtigen Witterung reiften die Trauben regelmässig, v.a. Blauburgunder. Das Wetter war im September insgesamt zu trocken und zu warm. Es regnete insgesamt nur 34 mm. Und laut MeteoSchweiz verzeichnete Chur am 1. September gar mit 32.3° C schweizweit den absoluten Höchstwert. Weitere Rekordwerte waren am 7. Oktober während der Lese zu verzeichnen: In Chur waren es 28.4° C. In der Zeit vom 12. bis 20 Oktober war es kälter als üblich; es spielte keine Rolle mehr, denn die Hauptlese war bereits vorüber.


Weinlese Anfangs Oktober 2009
Das Wimmeln der Trauben erfolgte rund zehn Tage früher als üblich. Die Lese ging nicht nur wegen der schönen Witterung (28° C) zügig voran, sondern auch deshalb, weil die Trauben gesund waren.


Ausgezeichnete Qualität
Der Riesling-Silvaner erreichte einen Durchschnitt von 83 Grad Öchsle. Der Blauburgunder brachte es auf einen Wert von 104° OE, der Chardonnay 104° Oe, der Sauvignon blanc 103° Oe.


Schlussbetrachtung
Ein phantastischer Altweibersommer und prächtiger Herbst bescherte uns Rebbauern gesunde und vollreife Trauben. Doch das Wetter allein hätte nicht genügt, dazu brachte es auch die gute Pflege der Reben.


Die Konsumenten dürfen sich auf einen ausgezeichneten Jahrgang freuen.